Mahlsteine verschmiert – was tun?
Ein echter Kundenfall: „Das Lager hat sich aufgelöst“
Eine Kundin meldete sich bei uns mit einer Elsässer Getreidemühle SAMAP F100. Die Mühle hatte sich während des Mahlens von Roggen plötzlich abgeschaltet. Danach traten ungewöhnliche Geräusche auf.
Die Kundin schrieb unter anderem:
„Die Mühle machte plötzlich Geräusche, als wenn sich ein Lager aufgelöst hätte.“
Zusätzlich erhielten wir:
- - eine Tonaufnahme der Geräusche,
- - später Fotos der Mahlsteine.
Erste Analyse der Tonaufnahme
Anhand der Tonaufnahme ließ sich bereits relativ klar erkennen:
Das Geräusch klang nicht nach einem zerstörten Lager.
Stattdessen hörte man Körner, die sich irgendwo im System befanden und gegen Bauteile schlugen.
Die Ursache dafür stellte sich später ebenfalls heraus:
Die Kundin hatte versucht, verbliebene Körner durch Auf-den-Kopf-Stellen der Mühle zu entfernen.
Genau das darf bei Getreidemühlen niemals gemacht werden.
Beim Kippen oder Umdrehen können Körner Bereiche erreichen, in die sie konstruktiv niemals gelangen sollen. Danach entstehen oft harte, metallisch klingende Schlaggeräusche, die für Laien tatsächlich wie ein „zerstörtes Lager“ wirken können.
Das Geräusch selbst war also kein eigentlicher Defekt.
Die eigentliche Ursache: Extrem verschmierte Mahlsteine
Die später zugesandten Fotos zeigten dann die tatsächliche Hauptursache des Problems:

Die Mahlsteine waren nahezu vollständig verschmiert und verkrustet. Praktisch nur noch der letzte innere Zentimeter war überhaupt noch arbeitsfähig.
Die Ursache:
Der verwendete Roggen war deutlich zu feucht.
Während des Mahlvorgangs entstand ein klebriger Roggenbrei, der durch die Reibungswärme der Mahlsteine regelrecht ausgehärtet wurde.
Die Mühle musste sich dadurch immer stärker quälen, bis schließlich der Schutzschalter auslöste.
Wichtige Erkenntnis
Die Abschaltung der Mühle und die ungewöhnlichen Geräusche hatten also unterschiedliche Ursachen:
| Problem | Ursache |
|---|---|
| Abschaltung der Mühle | massiv verschmierte Mahlsteine durch zu feuchten Roggen |
| „Lagerschaden“-Geräusche | Körner im System nach Auf-den-Kopf-Stellen der Mühle |
Warum man eine Getreidemühle niemals auf den Kopf stellen darf
Soll Getreide aus einer blockierten Mühle entfernt werden, gibt es nur eine richtige Methode:
Die Mühle wird extrem grob gestellt — so grob, dass die Körner praktisch ungemahlen ins Glas fallen. Dafür können mehrere volle Gewindeumdrehungen nötig sein.
Dann läuft die Mühle einfach leer.
Selbst wenn die Mühle zuvor wegen Blockierung nicht mehr anlaufen wollte, funktioniert das immer zuverlässig, weil der Abstand der Mahlsteine plötzlich groß genug wird, um jede Blockade zu beseitigen.
Das Auf-den-Kopf-Stellen einer Mühle sollte dagegen grundsätzlich vermieden werden.
Reinigung der verschmierten Mahlsteine
Ziel der Reinigung ist, die Mahlsteinoberflächen wieder möglichst nahe an den ursprünglichen Zustand zu bringen.

Benötigt werden:
- - harte Drahtbürsten aus dem Baumarkt für die grobe Kraftarbeit,
-
- ergänzend unser Mahlstein-Bürstenset:
- https://www.getreidemuehlen.shop/Zubehoer-Reinigungsbuersten-fuer-Mahlsteine - - ein stabiler Schlitzschraubenzieher,
- - ein Hammer für vorsichtige meißelartige Bewegungen,
- - eine alte Zahnbürste für die Gewinde,
- - dünnflüssiges Paraffinöl.
Wichtig: Baumarkt-Drahtbürsten sind kräftig, aber klobig. Wirklich in alle Bereiche kommt man nur mit den kleineren Bürsten aus dem Mahlstein-Bürstenset.
Besonders wichtig: Die Gewinde schützen
Die Gewinde an Mahlstein und Gewindering müssen während der gesamten Reinigungsarbeiten unbedingt geschützt werden. Diese Bereiche sind empfindlich und müssen sprichwörtlich wie rohe Eier behandelt werden.
Gerade bei der Arbeit mit Drahtbürsten, Schraubenziehern oder anderen harten Werkzeugen besteht die Gefahr, die Gewinde versehentlich zu beschädigen. Bereits kleine Beschädigungen können später zu erheblichen Problemen beim Verstellen oder Zusammenschrauben der Mahlsteine führen.
Vor dem späteren Zusammenbau und bevor anschließend Reis geschrotet wird:
- - beide Gewinde sorgfältig mit einer alten Zahnbürste reinigen,
- - beide Gewinde dünn mit dünnflüssigem Paraffinöl benetzen.
Dieser Arbeitsschritt ist zwingend erforderlich und darf keinesfalls ausgelassen werden!
Das Paraffinöl dient der langfristigen Leichtgängigkeit und dem Schutz der Gewinde beim späteren Verstellen der Mühle.
Es darf ausschließlich dünnflüssiges Paraffinöl verwendet werden. Kein Speiseöl, kein Maschinenöl und kein anderes Ersatzöl.
Nach der Reinigung: Reis als letzter Reinigungsschritt
Wenn der Großteil der Verkrustungen entfernt ist, wird der obere Mahlstein wieder aufgesetzt. Danach stellt man die Mühle auf grob und schrotet etwa 100 g Reis.
Der Reis wirkt abrasiv und entfernt häufig noch letzte Verkrustungsreste, die mit Bürsten nicht vollständig erreichbar waren.
Vorbeugung: Roggen richtig vortrocknen
Wenn Roggen aus derselben Charge weiter verwendet werden soll, sollte er vorher getrocknet werden.
Eine einfache Faustregel ist die 4er-Regel:
Bis zu 4 kg Getreide 4 Stunden lang bei 40 °C im Backofen trocknen.
Danach verschwinden solche Mahlprobleme vollständig. Als zusätzlicher positiver Effekt wird das Mehl bei gleicher Einstellung sogar feiner.
Für die nähere Zukunft empfehlen wir bei empfindlichen Mahlproblemen Roggen aus zuverlässigen Quellen wie Alnatura, dm, Reformhaus oder Bioladen.
Wenn Getreide im Trichter steckt: Mühle niemals auf den Kopf stellen
Sollte noch einmal Getreide aus der Mühle entfernt werden müssen, gibt es nur eine sinnvolle Methode:
Die Mühle wird extrem grob gestellt — so grob, dass die Körner beim „Mahlen“ praktisch unverletzt ins Glas fallen. Dafür können mehrere volle Gewindeumdrehungen nötig sein.
Das funktioniert auch dann, wenn die Mühle zuvor wegen einer Blockierung abgeschaltet hat und in der feinen Einstellung nicht mehr anlaufen will. Durch den großen Abstand der Mahlsteine entsteht keine Blockade mehr. Die Mühle läuft einfach leer.
Fazit
Der Zustand der Mahlsteine sah drastisch aus, war jedoch vollständig behebbar.
Mit Geduld, gründlicher mechanischer Reinigung und künftig ausreichend trockenem Roggen lässt sich ein solcher Zustand zuverlässig wieder beseitigen.
